Andere Länder, andere Muster

18.07.2019 - Mitteilung

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Mehr als ein Viertel der Zürcherinnen und Zürcher stammt aus dem Ausland. Grundsätzlich bevorzugt die ausländische Bevölkerung städtische Wohngegenden. Je nach Herkunftsland zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede bei der Wahl der Wohnregion.

Wenn Menschen in ein anderes Land ziehen, tun sie dies aus verschiedenen Gründen und mit unterschiedlichen Zielen. Sie entscheiden sich in der neuen Heimat für einen Wohnort, und diese Wohnortwahl ist nicht zufällig. Vielmehr ziehen einzelne Nationalitäten bestimmte Gemeinden und Regionen – mehr oder weniger freiwillig – als Wohnort vor. Deshalb konzentrieren sie sich bis zu einem gewissen Grad
im Raum.

16,9 Prozent müssten Wohngemeinde wechseln

Angenommen, Vorlieben und finanzielle Ressourcen der Zuwandernden spielten bei der Wahl des Wohnorts keine Rolle. Dann hätte jede Gemeinde und jedes Quartier exakt denselben Ausländeranteil. Im Fall des Kantons Zürich wären dies knapp 27 Prozent. In Tat und Wahrheit schwankt der Ausländeranteil in den Zürcher Gemeinden jedoch zwischen 6 und 46 Prozent. Stellt man die theoretische Gleichverteilung der tatsächlichen Verteilung gegenüber, lässt sich der sogenannte Segregationsindex berechnen. Dieser misst, inwieweit die schweizerische und die ausländische Bevölkerung «entmischt» ist. Im Kanton Zürich lag der Segregationsindex 2017 bei 16,9. Der Kennwert lässt sich so interpretieren, dass 16,9 Prozent der ausländischen Bevölkerung in eine andere Gemeinde oder ein anderes Quartier umziehen müssten, damit die Gleichverteilung erreicht wäre.

Vorliebe für urbane Gemeinden

Wesentlicher Grund für die Ungleichverteilung der Zürcher Bevölkerung ist, dass ausländische Staatsangehörige im Vergleich zu den Einheimischen häufiger urbane Gemeinden als Wohnort wählen: So wohnte 2017 eine von drei Personen mit ausländischem Pass in der Stadt Zürich, aber nur eine von vier Personen mit Schweizer Pass. In der Kantonshauptstadt und in anderen stadtnahen Gemeinden wie zum Beispiel Schlieren, Adliswil, Dübendorf, Kloten oder Rüschlikon stellen ausländische Staatsangehörige denn auch ein Drittel und mehr der ansässigen Bevölkerung.

Überwiegend aus Europa

Der Grossteil der ausländischen Staatsangehörigen stammt aus Europa, am häufigsten aus Deutschland, Italien, Portugal, Kosovo und Spanien. Aber auch mazedonische, serbische, türkische, österreichische und britische Pässe sind in der Einwohnerschaft des Kantons Zürich weit verbreitet. Zusammen stellen diese zehn Herkunftsländer zwei Drittel der ausländischen Bevölkerung. Untersucht man, wie sich die Angehörigen der einzelnen Nationen über das Kantonsgebiet verteilen, zeigen sich typische Muster.

Britische Exilgemeinde am See

Am deutlichsten unterscheiden sich britische und kosovarische Staatsangehörige in der Wahl ihres Wohnorts: Während erstere sich überwiegend in den Seegemeinden, den südlichen Zürcher Stadtquartieren und im östlichen Knonaueramt niederlassen, leben letztere mehrheitlich in den nördlichen Agglomerationsgemeinden, in Winterthur und in Teilen des Oberlands. Die anderen erwähnten Nationalitäten liegen zwischen diesen beiden «Extremen». Personen aus Deutschland und Österreich bevorzugen ähnliche Regionen wie die britische Exilgemeinde, allerdings ist die Seegegend für sie weniger relevant, stattdessen gewinnen die nördlichen Zürcher Stadtquartiere an Bedeutung. Auch spanische Staatsangehörige wohnen überwiegend in der Stadt Zürich und in einzelnen stadtnahen See- und Agglomerationsgemeinden.

Andere Nationen eher im Norden

Personen aus Italien, Portugal, Serbien und der Türkei wählen ebenfalls häufig die Stadt Zürich als Wohnort, allerdings kaum die südlichen Quartiere. Stattdessen lassen sie sich vermehrt in den nördlichen und westlichen Agglomerationsgemeinden nieder. Mazedonierinnen und Mazedonier schliesslich wohnen, ähnlich wie die kosovarische Bevölkerung, oft in den nördlich bis westlich der Stadt Zürich gelegenen Agglomerationsgemeinden und in Winterthur, aber kaum am See und in den südlichen Zürcher Stadtquartieren.

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