Gleicher Weg, unterschiedliche Reisezeit

18.07.2019 - Mitteilung

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Reisezeiten verändern sich im Lauf des Tages ständig. Abhängig von Verkehrsaufkommen und -angebot, braucht man für ein und dieselbe Reise manchmal länger, manchmal weniger lang. Zug, Bus und Tram auf der einen sowie Auto auf der anderen Seite zeigen dabei entgegengesetzte Eigenheiten.

Die Nähe zur Stadt Zürich ist auf dem Gebiet des Kantons und darüber hinaus ein prägender Faktor: Sie spielt etwa bei der Wahl des Wohnorts und auch bei der Standortentscheidung von Unternehmen eine wichtige Rolle. Entsprechend steigen Mieten wie auch Liegenschaftspreise mit abnehmender Entfernung zur Stadt. Denn kurze Wegzeiten ins Wirtschaftszentrum des Kantons bringen die Vorteile der Stadt – Arbeitsplätze, Ausbildungsstätten, Freizeitangebote – in Reichweite. Allerdings verändert sich die Reisezeit auf Schiene und Strasse im Lauf des Tages ständig, obwohl die Distanz zum Ziel gleich bleibt. Abhängig vom Verkehrsaufkommen, verhält sich der Zeitaufwand für ein und dieselbe Reise wie eine Handorgel, die sich mal ausdehnt, mal zusammenzieht.

Tägliche Völkerwanderung in den Stosszeiten

Für einen gewöhnlichen Werktag schätzt das kantonale Verkehrsmodell, dass durchschnittlich 320’000 Fahrten mit dem öffentlichen Verkehr (ÖV) in die Stadt Zürich hinein- oder daraus hinausführen. Hinzu kommen 440’000 Fahrten innerhalb der Stadtgrenzen. In der Summe etwa gleich gross sind die Frequenzen im motorisierten Individualverkehr (MIV), hier veranschlagt das Modell 450’000 grenzüberschreitende Fahrten und 340’000 Fahrten auf Stadtgebiet. Ein Grossteil dieses Verkehrsaufkommens fällt in die Stosszeiten am Morgen und am Abend.

Stockender Verkehr rückt das Ziel in die Ferne

Wer morgens mit dem Auto zur Arbeit fährt, weiss, dass er oder sie mit zähflüssigem Verkehr und Staus rechnen muss. Auch der kürzeste Arbeitsweg kann, bei Engpässen auf wichtigen Verkehrsachsen, zu einem wahren Hindernislauf werden. Weil die herrschenden Verkehrsverhältnisse die Reisezeit stark beeinflussen, ändert sich diese gerade in städtischen Ballungsräumen je nach Tageszeit. So ist der Zürcher Hauptbahnhof während der Stosszeiten für den MIV deutlich schlechter erreichbar als in Randstunden, wenn die Strassen frei sind: Das Gebiet, von dem aus man per Auto innert höchstens einer halben Stunde zum HB gelangt, schrumpft.

ÖV punktet zu Stosszeiten

Beim ÖV ist die Reisezeit in der Tendenz genau dann am kürzesten, wenn sie auf der Strasse am längsten ist. Aufgrund der hohen Nachfrage ist der Fahrplan in den Stosszeiten am dichtesten. Zusätzliche Direktverbindungen, etwa durchs Limmattal, rücken den Grossraum Zürich näher an die Stadt, sofern es nicht zu Verspätungen kommt. In den Randzeiten ist die Verbindungsqualität stark ortsabhängig. Bahnhofsnahe Agglomerationsgebiete, die direkte S-Bahn-Verbindungen zum HB aufweisen, sind auch
spätabends gut an die Stadt Zürich angebunden. Hier bleibt die Reisezeit vom ersten bis zum letzten Zug ziemlich konstant. Andere Gebiete rücken dagegen zeitlich in die Ferne. Betroffen sind etwa weiter entfernte Bahnhöfe oder Bushaltestellen, die nur zu gewissen Uhrzeiten über direkte Verbindungen verfügen. Die weniger eng getaktete ÖV-Feinverteilung bringt es zudem mit sich, dass auf gewissen Strecken ausserhalb der Stosszeiten mehr Umstiege nötig sind und die Wartezeiten zunehmen.

Mehr Planungssicherheit im ÖV

Auch wenn die ÖV-Frequenzen in den Stosszeiten vielerorts höher sind, bedeutet dies nicht zwingend, dass die Reise kürzer ausfällt als mit dem MIV. Im Gegenteil: Bei guten Verkehrsverhältnissen wären manche mit dem Auto schneller am Ziel als mit Zug, Bus und Tram. Doch mit dem ÖV ist, bei störungsfreiem Betrieb, verlässlich planbar, wann man sein Ziel erreicht. Auf der Strasse ist dies während der Stosszeiten, trotz Reisezeitoptimierung mittels Navi oder Routing-App, schwieriger. Auch deswegen hat der ÖV im Kanton Zürich seit der Jahrtausendwende Marktanteile gewonnen. Ausschlaggebend für die Verkehrsmittelwahl können aber auch andere Vorzüge des öffentlichen Verkehrs sein, beispielsweise seine bessere Umweltbilanz oder der Umstand, dass man nicht am Steuer sitzt und daher Hände und Kopf für anderes frei hat.

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