Zürcher Landwirtschaft im Umbruch

18.07.2019 - Mitteilung

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Die Landwirtschaft des Kantons Zürich spielt im landesweiten Vergleich mehr als nur eine Nebenrolle. Wie andernorts auch unterliegt sie einem starken Strukturwandel. Damit die Bauernhöfe von der land-wirtschaftlichen Produktion leben können, müssen sie im Schnitt immer mehr Fläche bewirtschaften. Kleinere Betriebe sind dagegen oft auf einen Nebenerwerb angewiesen, um über die Runden zu kommen.

Die Landwirtschaft spielt im Kanton Zürich auf den ersten Blick nur eine unbedeutende Rolle: Sie stellt lediglich ein Prozent der Beschäftigten. Sehr dominant ist dagegen der Dienstleistungssektor, der mehr als vier von fünf Personen beschäftigt. Im Landesvergleich reiht sich der Kanton Zürich ganz hinten ein, nur in den Kantonen Genf und Basel-Stadt ist der Beschäftigungsanteil in der Landwirtschaft noch kleiner. Betrachtet man jedoch den Wert der landwirtschaftlichen Erzeugnisse, findet sich der Kanton Zürich im oberen Fünftel der Kantonsrangliste wieder, gleichauf mit dem Thurgau. Gemessen am Wert, den die Bäuerinnen und Bauern pro Hektare Nutzfläche erzeugen, gehört der Kanton Zürich zu den produktivsten Gegenden des Landes.

Gross- statt Mittelbetriebe

Sowohl die Beschäftigten- als auch die Betriebszahlen der Landwirtschaft sind stark rückläufig. Seit 1996 sind sie jeweils um rund ein Drittel geschrumpft. Allerdings hat im selben Zeitraum auch die landwirtschaftliche Nutzfläche des Kantons Zürich abgenommen, der Landverlust entspricht etwa der Fläche von 4’300 Fussballfeldern. Das hört sich nach viel an, bedeutet aber eine Abnahme um «nur» fünf Prozent. Daraus lässt sich schliessen, dass der durchschnittliche Zürcher Bauernhof grösser geworden ist. Die mittlere Nutzfläche der Betriebe ist denn auch um 40 Prozent auf 20 Hektaren gewachsen. Hinter der zunehmenden Durchschnittsfläche verbirgt sich ein auffälliges Muster: Grossbetriebe wachsen vor allem auf Kosten der mittleren Betriebe, während die Kleinbetriebe praktisch nicht an Gewicht verlieren.

Immer mehr Teilzeitbäuerinnen und -bauern

Die mittlere Zahl der Personen, die auf einem Bauernhof arbeiten, hat seit 1996 nur wenig abgenommen. Allerdings haben immer weniger Bäuerinnen und Bauern ein Vollzeitpensum in dem Sinn, dass sie ausschliesslich auf dem Hof arbeiten. Grundsätzlich gilt: Je grösser der Betrieb, desto grösser der Anteil der Vollzeitbeschäftigten. Es gibt jedoch eine Ausnahme, nämlich die ganz kleinen Betriebe mit maximal einer Hektare Nutzfläche. Auf den Minihöfen arbeitet die Hälfte der Beschäftigten im Vollzeitpensum.

Auf Betrieben, die etwas grösser als eine Hektare sind, beträgt der Anteil der Vollzeitbeschäftigten hingegen nur ein Viertel. Auf Ebene der Bauernhöfe zeigt sich, dass die als hauptberuflich klassifizierten Betriebe schneller verschwinden als die Nebenberufsbetriebe. Hinter diesem auf den ersten Blick überraschenden Trend scheint eine systematische «Umschichtung» zu stecken: Frühere Hauptberufsbetriebe werden heute oft nur noch nebenberuflich bewirtschaftet, während einstige Nebenberufsbetriebe tendenziell aufgegeben werden. Mit anderen Worten: Viele Bauernhöfe kommen ohne zusätzliches Einkommen nicht mehr über die Runden.

Existenzsichernder Nebenerwerb

Entsprechend verfügen drei von vier Zürcher Bauernhöfen über einen Nebenerwerb. Bei mehr als der Hälfte dieser Betriebe trägt der Nebenerwerb allerdings weniger als zehn Prozent zum Gesamtumsatz bei. Dennoch dürfte das Zusatzeinkommen in einigen Fällen das Fortbestehen des Hofes sichern. Bei gut einem Drittel der Betriebe überwiegt die landwirtschaftliche Tätigkeit noch, der Nebenerwerb trägt aber einen gewichtigen Teil zum Gesamtumsatz bei. Und bei fast jedem zehnten Bauernhof spielt die Landwirtschaft nur noch eine Nebenrolle. Meist kommt das Zusatzeinkommen durch mehrere Nebentätigkeiten zustande. Besonders verbreitet sind dabei Forstarbeiten und der Direktverkauf von eigenen oder zugekauften landwirtschaftlichen Produkten.

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