Entwicklung der Gesamtsteuerfüsse

22.04.2019 - Mitteilung

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Mit dem Steuerfuss bestimmt eine Gemeinde, wie viel Steuern sie von ihren Einwohnern beziehen möchte. Bei einem hohen Steuerfuss treibt eine Kommune mehr ein als bei einem tiefen Steuerfuss. Sie wird dadurch für Steuerzahler unattraktiver. In der aktuellen interaktiven Grafik können Sie verfolgen, wie sich die Steuerfüsse der Zürcher Gemeinden seit 1990 entwickelt haben.

Den Finanzhaushalt einer Gemeinde beeinflussen sowohl ihre Einnahmen als auch ihre Ausgaben. Die Einnahmen sind vor allem von den Steuern abhängig. Neben dem Steuerfuss haben auch Änderungen im Steuergesetz eine wichtige Bedeutung. Die folgende Liste der Steuergesetzänderungen zeigt, dass in den vergangenen 20 Jahren diverse Reformen zu einer Verringerung des Steuerpotenzials für Kanton und Gemeinden geführt haben.

Neben den Einnahmen gibt es auf der Ausgabenseite verschiedene nicht beeinflussbare Faktoren, welche die Ausgaben einer Gemeinde und damit ihren Bedarf an Steuereinnahmen in die Höhe treiben. So zum Beispiel, wenn es zu einem starken Zuwachs an Kindern kommt und die Kommune in Betreuungs- oder Bildungsangebote investieren muss. Es besteht die Gefahr, dass sich die daraus entstehenden finanziellen Unterschiede zwischen den Gemeinden im Laufe der Zeit automatisch verstärken: Gemeinden mit günstigen Steuerbelastungen (tiefen Steuerfüssen) ziehen neue, gutverdienende Einwohner und deren Steuergeld an, während in ressourcenschwachen Gemeinden wohlhabendere Einwohner abwandern und solche mit tiefem Steuersubstrat zuwandern. In der Folge könnte sich die Bevölkerung im Kanton Zürich zunehmend einseitig verteilen, was zu unerwünschten Effekten führt.

Hier greift der Finanzausgleich: Er hat gemäss Kantonsverfassung (§ 127) das Ziel, dass die Steuerfüsse nicht zu weit voneinander abweichen. Durch das Abschöpfen von Steuereinnahmen bei finanzstarken Gemeinden und die Unterstützung von finanzschwachen Gemeinden mildert der Finanzausgleich die grossen Unterschiede zwischen den Kommunen. Er sorgt so dafür, dass sich die Steuerfussunterschiede in Grenzen halten.

Die untenstehende interaktive Karte zeigt die Entwicklung der Steuerfüsse im Kanton Zürich seit 1990. Der Konjunktureinbruch Anfang der Neunzigerjahre führte zu einem Anstieg der Steuerfüsse. Das war nicht ideal: In rezessiven Zeiten sollte die öffentliche Hand nicht durch Steuererhöhungen verstärkend wirken, sondern ihre Steuerfüsse eher senken. In Boomphasen sollten die Gemeinden die Steuerfüsse dafür eher hochhalten und Eigenkapital als Schwankungsreserve aufbauen (sog. Antizyklisches Verhalten). Seit dem Platzen der Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende zeigt sich der positive Trend der Konjunktur auch darin, dass der Medianwert der Steuerfüsse abgesunken ist. Dagegen hat sich die Finanzkrise 2008 und 2009 nicht auf den Medianwert ausgewirkt. Ab dem Jahr 2013 bis ins Jahr 2017 ist ein leichter Anstieg des Medianwertes erkennbar. Grundsätzlich verlief die Entwicklung aber konstant. Die Gründe liegen einerseits im moderaten Wirtschaftswachstum der letzten Jahre. Andererseits zeugt die Konstanz aber auch von der Fähigkeit der Gemeinden, Schwankungen über einen gewissen Zeitraum absorbieren zu können. Gegenüber dem Beginn der Zahlenreihe in der Grafik verfügen die Gemeinden heute über deutlich mehr Eigenkapital und dadurch über bessere Möglichkeiten, Defizite abzufedern. Was die Grafik auch zeigt: Der Unterschied zwischen dem höchsten und tiefsten Gemeindesteuerfuss vergrösserte sich zwar seit 1990, blieb aber dank des Finanzausgleichs moderat.  

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