35 Kilometer pro Kopf und Tag

30.05.2018 - Mitteilung

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Die Bevölkerung des Kantons Zürich legt im Schnitt rund 35 Kilometer pro Tag zurück. Mehr als die Hälfte davon bewältigt sie mit dem Auto, rund ein Drittel mit dem öffentlichen Verkehr. Damit nutzt sie Bahn, Bus und Tram deutlich häufiger als die meisten übrigen Bewohnerinnen und Bewohner der Schweiz. Allerdings hat sich der Marktanteil des öffentlichen Verkehrs seit 2010 kaum mehr verändert, nachdem er in den Jahren zuvor deutlich zulasten des motorisierten Individualverkehrs zugenommen hatte.

Die Zürcherinnen und Zürcher sind im Schnitt rund eineinhalb Stunden pro Tag unterwegs. Dabei legen sie eine mittlere Distanz von 35 Kilometern zurück, wobei die individuellen Unterschiede ausgesprochen gross sind. Die Reisefreudigsten überwinden täglich 100 und mehr Kilometer, während rund zehn Prozent der Bevölkerung das Haus überhaupt nicht verlassen. Dies zeigt der «Mikrozensus Mobilität und Verkehr», eine letztmals 2015 durchgeführte landesweite Repräsentativbefragung, die das Verkehrsverhalten der Bevölkerung ab einem Alter von sechs Jahren erhebt.

Je städtischer, desto kürzer

Ein landesweiter Vergleich zeigt, dass die mittlere Tagesdistanz im Kanton Zürich eher gering ist. Kleiner ist sie nur in den Städten Genf und Basel sowie im Tessin, grösser dagegen in ländlichen Kantonen. Dies liegt daran, dass in den dicht besiedelten Stadtregionen die Wege, etwa jene zum Arbeitsplatz oder zum Grossverteiler, kürzer sind als in locker überbauten Gegenden. Dasselbe Stadt-Land-Muster zeigt sich auch innerhalb des Kantons Zürich: Während die Stadtzürcherinnen und Stadtzürcher im Schnitt täglich 29 Kilometer zurücklegen, kommt die Bevölkerung des Weinlands, des Unterlands oder des Oberlands auf 40 und mehr Kilometer pro Tag.

Gefragter öffentlicher Verkehr

Die Zürcherinnen und Zürcher legen rund 57 Prozent der Tagesdistanz im motorisierten Individualverkehr (MIV), meist im Auto, zurück. 32 Prozent der täglichen Kilometer entfallen dagegen auf den öffentlichen Verkehr (ÖV) und neun Prozent auf den Langsamverkehr, also den Fuss-, Velo- und E-Bike-Verkehr. Die verbleibenden zwei Prozent gehen auf das Konto anderer Verkehrsmittel wie Taxi, Reisecar oder Schiff. Auch wenn der MIV mit Abstand am meisten Kilometer leistet, hat der ÖV im Kanton Zürich einen deutlich höheren Stellenwert als in anderen Landesteilen. So kommen die öffentlichen Verkehrsmittel in der übrigen Schweiz nur auf einen Marktanteil von 23 Prozent.

Seit 2010 unveränderte Marktanteile

Der Modalsplit, wie die Prozentaufteilung zwischen den Verkehrsmitteln genannt wird, hat sich seit 2010, als die vorletzte Auflage des Mikrozensus’ stattfand, kaum mehr verändert. Zuvor jedoch, etwa seit der Jahrtausendwende, hatten Bahn, Bus und Tram klar zulasten des Autos zugelegt, während der Marktanteil des Langsamverkehrs nahezu unverändert geblieben war. Weil im Kanton Zürich die Bevölkerung und auch die Zahl der Arbeitsplätze stetig wachsen, nimmt das Verkehrsaufkommen zu. Ein unveränderter Modalsplit bedeutet deshalb keineswegs, dass die Frequenzen auf der Strasse und im ÖV gleichgeblieben wären. Vielmehr haben sie zugenommen – und zwar, das belegt die Entwicklung des Modalsplits, bei allen Verkehrsmitteln.

Entwicklung des Modalsplits 1994–2015

Kanton Zürich, Anteile der Verkehrsmittel an der mittleren Tagesdistanz, Strecken im Inland, in Prozent

Unterwegs in der Freizeit

Am meisten Kilometer legen die Zürcherinnen und Zürcher in der Freizeit zurück, im Schnitt rund 44 Prozent ihrer Tagesdistanz. Am zweitwichtigsten ist das Pendeln zur Arbeits- oder Ausbildungsstätte, gefolgt vom Einkaufen. Allerdings zeigt sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine Verschiebung zum Arbeits- und Ausbildungsverkehr, nicht nur im Kanton Zürich, sondern auch in der ganzen Schweiz und in anderen europäischen Ländern. Dies dürfte mit ein Grund dafür sein, dass der ÖV seit Mitte der Neunzigerjahre Marktanteile gutgemacht hat. Denn das Pendeln ist jener Verkehrszweck, auf den das radial auf die Wirtschaftszentren ausgerichtete Liniennetz des öffentlichen Verkehrs in erster Linie zugeschnitten ist.

Stadtzürcher Haushalte mehrheitlich autofrei

Rund 70 Prozent der Zürcherinnen und Zürcher ab 16 Jahren haben mindestens ein Abonnement für den öffentlichen Verkehr, weit mehr als etwa im Tessin oder in der Romandie, wo laut Mikrozensus mehr als die Hälfte der Bevölkerung kein ÖV-Abo besitzt. Umgekehrt hat fast ein Drittel der Zürcher Haushalte kein Auto, Tendenz leicht steigend. Damit gehört Zürich, zusammen mit Genf und allen voran Basel-Stadt, zu jenen Kantonen, in denen der Anteil der autofreien Haushalte am grössten ist. Besonders verbreitet ist der Verzicht auf den eigenen Wagen in den grossen Städten Zürich und Winterthur. In der Kantonshauptstadt sind die autofreien Haushalte seit der Jahrtausendwende klar auf dem Vormarsch und mittlerweile sogar in der Überzahl.

Autobesitz der Haushalte 2015

Schweiz und Kanton Zürich sowie Zürcher Teilgebiete, Anteile der Haushalte, in Prozent

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