Familiäre Arbeitsteilung in Bewegung

30.05.2018 - Mitteilung

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Wenn ein Paar eine Familie gründet, stellt sich die Frage, wer nach der Geburt das Kind betreut und im Beruf kürzer tritt. Meist ist es immer noch die Mutter, aber die klassische Rollenteilung ist nicht mehr so dominant wie einst. Stattdessen kommen Modelle auf, in denen Mann und Frau sich gemeinsam um den Nachwuchs kümmern. Dass die Dinge in Bewegung geraten sind, hängt auch mit der besseren Bildung der Frauen zusammen.

Sobald Frauen ein Kind bekommen, reduzieren sie in der Regel ihre Erwerbstätigkeit. Daran hat sich seit Mitte der Neunzigerjahre nichts geändert. Denn die Erwerbsquote junger Mütter liegt durchgehend unter jener von kinderlosen Frauen oder auch von Müttern, deren Kinder bereits ausgezogen sind. Indes sind im Kanton Zürich heute mehr Mütter berufstätig als noch vor Kurzem. Betrachtet man nur jene Frauen, die in einem Paarhaushalt mit Kindern leben, sind 23 Prozent von ihnen nicht erwerbstätig. Vor der Jahrtausendwende blieben dagegen rund 40 Prozent der Frauen zuhause, um sich vollamtlich um Nachwuchs und Haushalt zu kümmern. Zum Vergleich: In einem Paarhaushalt ohne Kinder sind nur zehn Prozent der Frauen nicht erwerbstätig.

Traditionelles Familienmodell überwiegt

Wie wirkt sich die vermehrte Berufstätigkeit der Mütter auf die Arbeitsteilung im Haushalt aus? Nach wie vor steuert der Mann in vielen Familien mehr zum Haushaltsbudget bei als die Frau, während diese im Gegenzug die Hauptlast der Kinderbetreuung und Hausarbeit trägt. In vier von fünf Paarhaushalten mit Kindern hat der Mann nämlich eine Vollzeitstelle, während die Frau teilzeit oder gar nicht arbeitet. Allerdings verliert das klassische Familienmodell langsam etwas von seiner einstigen Dominanz. Stattdessen verbreiten sich Modelle, in denen Mann und Frau sich Berufstätigkeit sowie Betreuungs- und Hausarbeit teilen. So sind in letzter Zeit Haushalte, in denen beide Elternteile eine Teilzeitstelle haben, häufiger geworden, machen jedoch immer noch keine zehn Prozent der Familienhaushalte aus.

Erwerbsmodelle von Paarhaushalten 1996 – 2016

Kanton Zürich, Durchschnitte der angeführten Zeitspannen, Anteile in Prozent

Keine Kinder, doppeltes Einkommen

Anders sieht es erwartungsgemäss aus bei Paaren, die keine Kinder haben oder deren Kinder bereits ausgeflogen sind: In rund der Hälfte der Haushalte haben sowohl der Mann als auch die Frau ein Vollzeitpensum. Etwa eines von drei Paaren lebt auch ohne Kinder die traditionelle Rollenverteilung, Tendenz – wie bei den Familienhaushalten – sinkend. Das Modell, wonach Mann und Frau beide teilzeit arbeiten, ist hingegen kaum verbreitet.

Erwerbstätigkeit von Eltern nach Bildungsniveau, Durchschnitt der Jahre 2014 – 2016

Kanton Zürich, 25- bis 54-jährige Mütter und Väter in Paarhaushalten mit Kindern, Anteile in Prozent

Bildungsniveaus: primär – keine oder obligatorische Schule abgeschlossen; sekundär – Berufslehre oder Mittelschule abgeschlossen;tertiär – Universität, Fachhochschule, pädagogische Hochschule, höhere Fachschule abgeschlossen, Berufs- oder Fachprüfungbestanden.

Berufliches Engagement steigt mit Bildungsniveau

Je höher das Bildungsniveau, desto unattraktiver ist es für Eltern, ihre Erwerbstätigkeit zugunsten von Kinderbetreuung und Hausarbeit einzuschränken oder aufzugeben. Denn wer viel in die Ausbildung investiert hat, möchte das erworbene Wissen einsetzen und verdient in der Regel auch gut. Da hauptsächlich die Frauen zugunsten des Nachwuchses beruflich zurückstecken, zeigt sich der Zusammenhang zwischen Bildungsniveau und Arbeitspensum besonders deutlich bei den Müttern: Zwei von drei Müttern mit einem sekundären Bildungsabschluss wie einer Berufslehre oder Matur arbeiten Teilzeit. Ebenso solche, die anschliessend einen weiteren Bildungsweg beschritten haben wie einen Universitäts- oder Fachhochschulabschluss. Dagegen arbeitet nur jede zweite Mutter mit primärem Bildungsniveau, das heisst, die keine oder allein die obligatorische Schule abgeschlossen hat, mit einem reduzierten Arbeitspensum. Sie bleiben jedoch häufiger zu Hause. Bei den Vätern zeigt sich im Prinzip dasselbe Muster wie bei den Müttern – mit dem Unterschied, dass der Vollzeitjob bei ihnen, wie erwähnt, nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist.

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