Klimaziele in Reichweite

30.05.2018 - Mitteilung

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In letzter Zeit reduzierten die Zürcherinnen und Zürcher ihren durchschnittlichen jährlichen Energiebedarf. Gleiches gilt für den CO2-Ausstoss pro Kopf. Der Kanton Zürich strebt im Rahmen des Klimaschutzes an, den CO2-Ausstoss künftig vor allem beim Verkehr, beim Heizen und bei der Erzeugung von Warmwasser noch mehr zu senken. Grosse Hoffnungen liegen dabei auf der Nutzung von erneuerbaren Energien.

2015 lag der Energiebedarf im Kanton Zürich bei knapp 40 Millionen MWh. Das ist so viel Energie, wie in rund vier Milliarden Litern Heizöl steckt. Würde man diese Menge in Mineralöl-Kesselwagen abfüllen und alle Wagen zu einem langen Güterzug zusammenkoppeln, ergäbe sich ein Zug von gut 800 Kilometern Länge. Dies entspricht etwa der Eisenbahnstrecke von Zürich nach Bremen.

Löwenanteil für Wärme und Verkehr

Knapp 80 Prozent der Energie verbrauchen die Zürcherinnen und Zürcher zu fast gleichen Teilen für das Heizen und das Erzeugen von Warmwasser einerseits sowie für den Verkehr andererseits. In beiden Bereichen, bei der Wärmeproduktion und beim Verkehr, dominieren noch immer fossile Energieträger wie Erdöl oder -gas. Die restlichen gut 20 Prozent des Energiebedarfs kommen aus der Steckdose: Strom sorgt dafür, dass in den Wohnungen, Büros, Werkstätten sowie Läden die elektrischen Geräte funktionieren und überall künstliches Licht brennt.

Rückläufiger Pro-Kopf-Bedarf für Wärme

Seit 1990 hat der Energiebedarf pro Person deutlich abgenommen. Dies gilt allerdings nur für jenen Teil des Bedarfs, der dazu dient, die Gebäude zu heizen und Warmwasser oder Prozesswärme zu erzeugen. Letztere brauchen Industrieunternehmen für ihre Produktion. Der Wärmebedarf ist sogar in der Summe rückläufig, obwohl der kantonale Gebäudebestand in letzter Zeit stark gewachsen ist. Da die Gebäudetechnik nicht nur an Effizienz zulegt, sondern auch schrittweise von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien umstellt, ist der CO2-Ausstoss pro Kopf der Bevölkerung bei der Wärmeerzeugung noch stärker gesunken als der Energiebedarf.

Mittlerer Energiebedarf nach Verwendungszweck 1990–2050

Kanton Zürich, Bedarf pro Kopf, in MWh

2,2 Tonnen CO2 bis 2050

Im Energiegesetz steckt sich der Kanton Zürich das Ziel, den CO2-Ausstoss bis ins Jahr 2050 weiter zu reduzieren. Konkret soll dieser von derzeit knapp fünf auf 2,2 Tonnen pro Kopf und Jahr sinken. Dabei sollen Massnahmen an den Gebäuden – verbesserte Wärmedämmung, neue Fenster, moderne Heizungen – dazu beitragen, dass sich die CO2-Menge, die wegen der Wärmeproduktion in die Umwelt gelangt, im Vergleich zu heute auf ein Viertel reduziert. Aber auch der Verkehr ist im Visier: Zum einen sollen die kurzen Wege in verdichteten Siedlungen dafür sorgen, dass das Verkehrsaufkommen künftig kleiner wird. Zum anderen dürfte der durchschnittliche Treibstoffverbrauch der Fahrzeuge wegen des technischen Fortschritts weiter sinken. Beides zusammen soll den mobilitätsbedingten CO2-Ausstoss bis 2050 auf weniger als 1,5 Tonnen pro Kopf und Jahr reduzieren. Derzeit liegt er noch bei drei Tonnen.

Wärme künftig zu 100 Prozent erneuerbar

Bei der Mobilität ist die grosse Unbekannte, wie schnell der Elektroantrieb die heute gängigen Verbrennungsmotoren ablösen wird. Elektromobile und Hybridfahrzeuge erleben zwar in jüngster Zeit einen kleinen Boom, sind aber in der Zürcher Autoflotte immer noch die grosse Ausnahme. Es ist deshalb sehr schwierig vorherzusagen, wann und wie schnell Benzin und Diesel von der Bildfläche verschwinden werden. Anders bei der Deckung des Wärmebedarfs: Hier ist das Potenzial der erneuerbaren Energien sehr hoch. Bis ins Jahr 2050 könnten sie die Gebäudeheizung und die Warmwassererzeugung im Kanton Zürich gänzlich übernehmen. Eine Schlüsselrolle wird dabei die mithilfe von Wärmepumpen aufbereitete Umweltwärme aus dem Erdreich, den Gewässern und der Luft spielen.

Deckung des Wärmebedarfs mit lokalen Energiequellen 2015–2050

Kanton Zürich, Abwärme und erneuerbare Energien, Wärmepumpenstrom nicht zwingend lokal erzeugt, Anteile in Prozent

Unsicherheitsfaktor Strommix

Der Stromverbrauch wird wegen der zunehmenden Verbreitung von Elektromobilen und Wärmepumpen wohl leicht zunehmen. Gleichzeitig ist in der Schweiz bei der Strom-herstellung das Ende des Atomzeitalters eingeläutet. Von entscheidender Bedeutung wird deshalb sein, dass für den Ersatz der Kernenergie erneuerbare Energiequellen zum Zug kommen. Würden die heutigen Schweizer Atomkraftwerke hingegen vollständig durch Gaskombikraftwerke ersetzt, veränderte sich der Strommix deutlich, und der jährliche CO2-Ausstoss stiege um 1,1 Tonnen pro Kopf. Dies aber würde den kantonalen Plänen zur CO2-Reduktion einen dicken Strich durch die Rechnung machen.

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