Wenn Pflanzen den Frühling früher spüren

24.05.2017 - Mitteilung

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Der Klimawandel zeigt sich nicht nur weltweit, sondern auch im Kanton Zürich. Die hiesigen Jahresmitteltemperaturen sind seit Messbeginn im Jahr 1864 stark angestiegen. Auf diese veränderten Bedingungen reagieren die heimischen Pflanzen, indem sie ihre Entwicklung der neuen Umwelt anpassen.

Die Erdoberfläche wird immer wärmer. Bis Ende des Jahrhunderts rechnet die Wissenschaft je nach Szenario mit einem Ansteigen der Temperatur um 0,3 bis 4,8 Grad. Doch wie zeigt sich der Klimawandel heute, vor der eigenen Haustür? Zum einen direkt in Messreihen, die Auskunft geben über die lokale Temperaturentwicklung. Zum anderen indirekt, indem sich die heimischen Pflanzen an die veränderten Umweltbedingungen anpassen. So kündigt der Austrieb der Blätter bei Büschen und Bäumen den Frühling an. Und wenn sich das Laub verfärbt und zu Boden fällt, ist der Herbst nicht mehr weit. Solche Ereignisse sind für die Klimaforschung von grosser Bedeutung. Wenn sie sich zeitlich verschieben, heisst dies, dass etwas anders ist als früher. Die Beobachtung der Pflanzen im Kanton Zürich dient deshalb dazu, den Klimawandel zu messen.

Plus 0,1 Grad pro Jahrzehnt

2016 war weltweit das wärmste Jahr seit Messbeginn. Auch auf dem Gebiet des Kantons Zürich war es kaum je so warm – zumindest nicht seit 1864, als damit begonnen wurde, die Lufttemperatur systematisch aufzuzeichnen. 9,9 Grad zeigte das Thermometer 2016 im Mittel. Dies sind 1,4 Grad mehr als im Durchschnitt der 30-jährigen Vergleichsperiode von «Meteo-Schweiz», die den Zeitraum zwischen 1961 und 1990 umfasst. Die wärmsten zehn Jahre wurden alle nach 1994 beobachtet. Durchschnittlich stieg die Temperatur seit Messbeginn im Kanton Zürich um 0,1 Grad pro Jahrzehnt. Vergleicht man die kälteste und die wärmste Dekade, die 1880er- und die 2000er-Jahre, ergibt sich eine Temperatur-differenz von über zwei Grad.

Veränderung der Jahresmitteltemperatur 1864–2016

Kanton Zürich, Abweichung vom langjährigen Mittel (1961–1990), in Grad Celsius

Klimawandel verfrüht Blüte der Pflanzen

Die Phänologie befasst sich mit den jährlich wiederkehrenden Ereignissen in der Pflanzen- und Tierwelt, zum Beispiel mit der Pflanzenblüte. Verändern sich Faktoren wie die Lufttemperatur oder die Niederschlagsmenge, verschiebt sich der Zeitpunkt dieser phänologischen Ereignisse. Deshalb eignen sich Pflanzen als Messinstrumente, um dem Klimawandel auf die Spur zu kommen. Im Kanton Zürich zeigen alle beobachteten Arten eine immer frühere Blüte. Besonders ausgeprägt ist die «Frühreife» bei der auch als Wucherblume bekannten Margerite, deren Blühzeitpunkt sich zwischen 1960 und 2016 um über zwei Tage pro Jahrzehnt verfrüht hat. In einzelnen Jahren kann die Blüte sogar 15 bis 20 Tage früher als im langjährigen Mittel beginnen. Dieselbe Tendenz ist bei der Blatt-entfaltung von Bäumen zu beobachten. Heute treiben Buche, Fichte und Rosskastanie im Durchschnitt zwei Tage früher aus als noch vor zwanzig Jahren.

Weinlese beginnt eine halbe Woche eher

Im Kanton Zürich – der übrigens mehr Wein als alle anderen deutschsprachigen Kantone produziert – blühen auch die Reben immer früher. Die Blüte verschob sich seit 1960 im Mittel um drei Tage pro Jahrzehnt. Auch der herbstliche Lesebeginn auf der insgesamt gut 600 Hektar grossen Rebfläche im Kanton hat sich verlagert: Die Winzerinnen und Winzer beginnen heute mit der Ernte bekannter Sorten wie Blauburgunder oder Müller-Thurgau um durchschnittlich vier Tage früher als im langjährigen Mittel. Ein Ausnahmejahr war 2003. Der damalige Jahrhundertsommer brachte eine wochenlange Hitzewelle und extreme Trockenheit mit sich. Das aussergewöhnliche Wetter liess die Trauben an den drei beobachteten Standorten in Rafz, Wädenswil und Zürich-Witikon denn auch um rekordverdächtige 27 Tage früher reifen.

Veränderung des Weinlesebeginns 1960–2016

Kanton Zürich, Abweichung vom Mittel der gesamten Zeitspanne, in Tagen

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