Ein neuer Babyboom?

24.05.2017 - Mitteilung

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Der Kanton Zürich erlebt einen wahren Kindersegen. Jahr für Jahr erblicken mehr Kinder das Licht der Welt – 2015 waren es fast 17 000, 4 500 mehr als noch 2001. Die Spitäler kommen kaum nach mit den Entbindungen und sprechen von einem Babyboom. Zu Recht?

Die Geburtenzahl hängt einerseits von der Zahl der potenziellen Mütter ab – statistisch betrachtet sind das die Frauen im sogenannten gebärfähigen Alterzwischen 15 und 49. Die zweite wichtige Grösse ist die Geburtenhäufigkeit. Sie beziffert, wie viele Kinder tausend Frauen im Durchschnitt gebären. Verändern Frauen ihr Geburtenverhalten, zum Beispiel aufgrund eines gesellschaftlichen Trends, beeinflusst dies die Geburtenzahl unmittelbar. Aber auch wenn die Geburtenhäufigkeit über Jahre hinweg stabil bleibt, kann die Geburtenzahl schwanken, falls sich der Bestand oder die Altersstruktur der Frauen verändern.

Mehr potenzielle Mütter aufgrund der Zuwanderung

Die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter hat von 2001 bis 2015 deutlich zugenommen. Relevant für die Geburtenzahlen sind dabei vor allem die 25- bis 39-Jährigen, die über 85 Prozent der Kinder zur Welt bringen. Diese Bevölkerungsgruppe ist im Kanton Zürich seit 2001 um rund 23 000 auf 170 000 gewachsen. Für den Zuwachs verantwortlich sind dabei vor allem ausländische Frauen, deren Zahl sich in den letzten Jahren wegen der Zuwanderung stark erhöht hat. Der Bestand ihrer Schweizer Altersgenossinnen hat hingegen stagniert: Die geburtenstarken Jahrgänge aus den Sechzigerjahren haben ihren 40. Geburtstag mittlerweile hinter sich und sind durch nachfolgende Generationen, durch Zuzügerinnen aus anderen Kantonen und durch Einbürgerungen nur knapp ersetzt worden.

Frauen im gebärfähigen Alter nach Heimat 1987–2015

Kanton Zürich, Anzahl in Tausend

Nachholeffekt bei Müttern über 30

Während die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter seit 2001 um 16 Prozent angestiegen ist, wuchs die Geburtenzahl um 36 Prozent. Bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass vor allem die 30- bis 39-jährigen Frauen zu diesem zusätzlichen Kindersegen beigetragen haben. Sie brachten 2015 zwei von drei Kindern zur Welt. Dass die 30- bis 39-Jährigen heute am meisten Kinder gebären, gilt sowohl für Schweizerinnen als auch für Ausländerinnen. Dabei handelt es sich vor allem um einen Nachholeffekt. Viele Schweizer Frauen haben ihre Mutterschaft aufgeschoben und nun nachgeholt, weil sich die Ausbildungszeiten verlängert haben. Dadurch erfolgen der Eintritt ins Berufsleben und die Familiengründung in einer «durchschnittlichen Biografie» heute später als in der Vergangenheit. Bei ausländischen Frauen kommt hinzu, dass sich der Nationalitätenmix verändert hat: In letzter Zeit sind viele junge Frauen aus Deutschland und anderen nördlichen EU-Ländern zugewandert, die ihre Mutterschaft ähnlich wie die hiesigen Frauen aufschieben. Noch in den Neunzigerjahren stammten ausländische Mütter hingegen häufig aus Südeuropa, wo die Familiengründung in der Regel früher stattfindet.

Geburten nach Alter und Heimat der Mutter 1987–2015

Kanton Zürich, Anzahl in Tausend

Kein Boom wie in den Sechzigerjahren

Eine wichtige Kennzahl, um das Geburtenverhalten zu beschreiben, ist die zusammengefasste Geburtenziffer, auch Geburtenrate genannt. Sie gibt an, wie viele Kinder eine Frau im Lauf ihres Lebens zur Welt bringen würde, wenn ihr Geburtenverhalten so wäre wie das aller Frauen im Alter zwischen 15 und 49. 2015 haben die Zürcherinnen im Durchschnitt 1,5 Kinder zur Welt gebracht, kaum mehr als 2001, als es knapp 1,4 Kinder waren. Dies ist weit entfernt von den Rekordwerten während des Babybooms in den Sechzigerjahren, als die Geburtenrate innert weniger Jahre auf 2,6 Kinder pro Frau hochschnellte. Die derzeitige Geburtenrate ist zudem deutlich geringer als die 2,1 Kinder pro Frau, die für den sogenannten Generationenerhalt notwendig wären. Das bedeutet, dass die Bevölkerung ohne Zuwanderung langfristig schrumpfen würde. Zusammengefasst heisst das: Obwohl die Geburtenzahl im Kanton Zürich seit der Jahrtausendwende markant zugelegt hat, handelt es sich nicht um einen klassischen Babyboom.

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