Arbeitsmarktchancen und -risiken ab 50

24.05.2017 - Mitteilung

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Über 50-Jährige haben im Kanton Zürich grundsätzlich gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Allerdings gibt es Ausnahmen. Besonders schwierig sind die Bedingungen für ältere Erwerbstätige im Finanz- und Versicherungswesen sowie, unabhängig von der Branche, bei mangelnder beruflicher Qualifikation.

Regelmässig berichten die Medien über die Schwierigkeiten älterer Menschen bei der Stellensuche. Entsprechend beurteilt eine breite Öffentlichkeit die Arbeitsmarktsituation ab 50 als schwierig. Eine vom Amt für Wirtschaft und Arbeit herausgegebene Studie zeigt auf, welchen Risiken, aber auch welchen Chancen, die Generation Ü-50 auf dem Zürcher Arbeitsmarkt begegnet.

Tiefe Arbeitslosenquote

Tatsächlich ist der Anteil der über 50-Jährigen unter den Arbeitslosen seit 2004 gestiegen. Eine der Ursachen dafür dürfte der demografische Wandel sein, der die Zahl der alten Menschen zulasten jener der jungen wachsen lässt. Wichtige Hinweise auf das Risiko, arbeitslos zu werden, gibt die Arbeitslosenquote. Sie setzt jene Leute, die bei einem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) als arbeitslos gemeldet sind, ins Verhältnis zu allen Personen im erwerbsfähigen Alter. Gemessen daran weisen über 50-Jährige immer noch eine geringe Arbeitslosigkeit auf. Daraus darf man aber nicht den verkürzten Schluss ziehen, dass die Generation Ü-50 am Arbeitsmarkt besonders gut gestellt wäre.

Ab 60 Rückzug vom Arbeitsmarkt

Über die Beteiligung am Arbeitsmarkt gibt die Erwerbstätigenquote Auskunft. Sie beziffert, wie viele Prozent der Bevölkerung einer bezahlten Arbeit nachgehen – laut Definition der Internationalen Arbeitsorganisation gilt eine Person dann als erwerbstätig, wenn sie mindestens eine Stunde pro Woche gegen Entlöhnung arbeitet oder unentgeltlich im Familienbetrieb mithilft. Die Erwerbstätigenquote der 50- bis 59-Jährigen, vor allem aber der 60- bis 64-Jährigen, ist tiefer als jene der jüngeren Vergleichsgruppen. Zwar ist die Quote der ältesten Gruppe seit 2005 stark gestiegen, aber die 60- bis 64-Jährigen sind auf dem Arbeitsmarkt nach wie vor deutlich weniger präsent als ihre jüngeren Kolleginnen und Kollegen. Der Grund dafür ist, dass viele ab 60 Jahren in Pension gehen und sich vom Arbeitsmarkt verabschieden. Zu prüfen ist, ob dies freiwillig oder unfreiwillig stattfindet. Falls der Abgang nicht aus freien Stücken geschieht, bestehen offensichtlich gewisse Hindernisse auf dem Arbeitsmarkt für ältere Menschen.

Erwerbstätigenquote nach Altersklassen 2002 – 2014

Kanton Zürich, in Prozent

Branche entscheidend für Arbeitsmarktchancen

Stellt man alte und junge Erwerbstätige einander gegenüber, zeigt sich, dass über 50-Jährige vor allem in der öffentlichen Verwaltung und im Bildungswesen übervertreten sind. Umgekehrt ist es hingegen bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistern, in der Branche «Information und Kommunikation» und im Gastgewerbe: Hier ist der Anteil der Generation Ü-50 an den Beschäftigten unterdurchschnittlich. Dass ind dieselben Branchen, in denen das Risiko, arbeitslos zu werden, für über 50-Jährige im Vergleichzu ihren jüngeren Kolleginnen und Kollegen erhöht ist. Deutlich geringer ist es hingegen in der Branche «Erziehung und Unterricht» sowie im Gross- und Detailhandel.

Unterschiede zwischen Jung und Alt bei Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit 2014

Kanton Zürich, nach Branchen, Differenz zwischen den unter und den über 50-Jährigen, in Prozentpunkten

Zum Beispiel stellen die über 50-Jährigen bei Finanz- und Versicherungsdienstleistern anteilsmässig rund 2,5 Prozentpunkte weniger Erwerbstätige als die unter 50-Jährigen. Dagegen liegt ihre Arbeitslosenquote etwa einen halben Prozentpunkt höher als jene der unter 50-Jährigen.

«Brain Drain» durch Pensionierung

Wie erwähnt ziehen sich viele Menschen mit zunehmendem Alter vom Arbeitsmarkt zurück. Dies ist besonders bei tiefem Ausbildungsniveau der Fall. Dass der Rückzug nicht immer freiwillig erfolgt, zeigt sich etwa an den sogenannten nichtarbeitslosen registrierten Stellensuchenden. Dabei handelt es sich um Personen, die zwar bei einem RAV gemeldet sind, jedoch nicht in der Arbeitslosenstatistik erscheinen, da sie sich in einem Beschäftigungsprogramm, einem Zwischenverdienst, einer Umschulung oder einer Weiterbildung befinden. Ihr Anteil ist bei Angehörigen der Generation Ü-50 deutlich höher als bei den jüngeren Altersklassen. Aber auch jene, die sich ab 60 freiwillig aus dem Erwerbsleben zurückziehen, sollten nicht vergessen werden. Frühpensionierungen laufen den Bestrebungen zuwider, das inländische Fachkräftepotenzial besser zu nutzen. Daran könnten gezielte Massnahmen für ältere Mitarbeitende etwas ändern.

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