Digitalisierung erfasst Beherbergungsmarkt

24.05.2017 - Mitteilung

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Einerseits verzeichnen die Zürcher Hotels so viele Übernachtungen wie noch nie. Andererseits mischen auf Online-Plattformen wie Airbnb zunehmend auch Private im Beherbergungsmarkt mit und stellen die klassische Hotellerie in Frage. Seit kurzem gibt es erstmals Zahlen zu den Angeboten der Plattform im Kanton Zürich.

In letzter Zeit erlebte die schweizerische Hotellerie eine turbulente Phase. Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Nationalbank anfangs 2015 sowie milde Winter haben der Branche zugesetzt. Besonders in den Wintersportregionen ist die Zahl der Logiernächte rückläufig. Im Gegensatz dazu verzeichnen die Zürcher Hotels weiterhin wachsende Übernachtungszahlen. Dies dürfte vor allem damit zusammenhängen, dass sie vergleichsweise viele Geschäftsreisende beherbergen, die trotz Wetter- und Währungskapriolen nicht auf andere Destinationen ausweichen. Der Kanton Zürich übertraf erstmals die Marke von fünf Millionen Übernachtungen pro Jahr und liess damit renommierte Tourismusregionen wie die Kantone Bern und Graubünden hinter sich. Dies sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch die hiesige Hotelbranche vor strukturellen Herausforderungen steht.

Logiernächte nach Kantonen 2005–2016

Ausgewählte Kantone, Anzahl in Tausend

Private drängen in Revier der Hoteliers

Technologische und gesellschaftliche Trends verändern das Beherbergungsgeschäft von Grund auf. Vor allem die Digitalisierung fordert, wie in anderen Branchen auch, die etablierten Geschäftsmodelle heraus. Dies zeigt sich nicht nur daran, dass Onlinebuchungsportale immer wichtiger werden, sondern auch am Aufkommen neuer Plattformen wie zum Beispiel Airbnb. Dieser Onlinedienst dringt in das traditionelle Revier der Hotelbranche vor, indem er Privaten ermöglicht, die eigenen vier Wände als Unterkunft im Internet anzubieten. Die tiefen Hürden– ein paar Klicks genügen, um ein «Inserat» mit globaler Reichweite zu schalten – haben zur blitzartigen Verbreitung der Plattform beigetragen. Wegen dieses hohen Tempos fehlen aktuelle und präzise Statistiken zur Bedeutung des neuen Tourismuszweigs. Vor diesem Hintergrund hat das Statistische Amt erstmals Zahlen zu den Airbnb-Angeboten im KantonZürich erhoben.

Wo private Unterkünfte aus dem Boden spriessen

Am 23. August 2016, dem Stichtag der Erhebung, gab es im Kanton Zürich rund 2 800 auf Airbnb ausgeschriebene Objekte. Zusammen wiesen sie 4 200 Betten für knapp 7 000 Übernachtungsgäste auf. Die Bettenzahl entspricht etwa einem Sechstel des Angebots in der traditionellen Hotellerie und würde der gesamten Bevölkerung von Gemeinden wie Oberglatt oder Oberengstringen Platz bieten. Mit rund 70 Prozent liegt der Löwenanteil der Unterkünfte in der Stadt Zürich. Weitere Schwerpunkte finden sich in Flughafennähe und entlang des Zürichsees. Das Angebot ist somit dort am grössten, wo auch die Nachfrage aufgrund der Touristenströme am höchsten ist.

Airbnb-Angebote 2016

Zürcher Gemeinden, Anzahl Angebote pro 1000 Einwohnerinnen und Einwohner

Vom Schlafsofa bis zur Villa

Die Plattform unterscheidet bei den Unterkünften drei Kategorien:

• Gemeinschaftszimmer
Die Gäste teilen den Wohnraum und haben kein eigenes Zimmer für sich.

• Privatzimmer
Die Gäste teilen den Wohnraum, haben aber ein eigenes Zimmer.

• Ganze Wohneinheit
Die Gäste haben den Wohnraum für sich allein.

Kantonsweit sind rund 50 Gemeinschafts- und 1 350 Privatzimmer ausgeschrieben. Hinzu kommen1 400 Wohnungen oder Häuser, die man als Ganzes mieten kann. Entsprechend vielseitig ist das Angebot und reicht von Stadtwohnungen, die jederzeit oder nur bei Abwesenheit der Bewohner, zum Beispiel am Wochenende, verfügbar sind, über Mini-Apartments in klassischen Hotelbetrieben bis hin zum Baumhaus. Selbst ganze Villen mit Seeanstoss sind für kaufkräftige Gäste zu haben. Wie sich das neue Angebot langfristig auf das herkömmliche Beherbergungsgewerbe auswirken wird, steht noch in den Sternen. Vorderhand zumindest zeigen sich keine nennenswerten Auswirkungen auf die Übernachtungszahlen in der Zürcher Hotellerie.

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