Airbnb legt im Kanton Zürich weiter zu

08.12.2017 - Mitteilung

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Die Zahl der Airbnb-Angebote im Kanton Zürich steigt weiter an. Ein Grossteil der Angebote liegt in Gebieten mit erstklassiger ÖV-Anbindung. Mehrfachanbieter nutzen die Plattform besonders aktiv.

Online-Vermittlungsplattformen für Privatunterkünfte, allen voran Airbnb, spielen im Zürcher Beherbergungsmarkt eine bedeutende Rolle. Um die Entwicklung des Angebots im Kanton Zürich abzubilden, haben wir 2016 mittels Webscraping erstmals Daten zu Airbnb erhoben. Es handelte sich dabei um einen Versuch, den Newcomer im Tourismusmarkt zu beleuchten und den Nebel rund um seine Bedeutung im Kanton Zürich mit konkreten Zahlen etwas zu lichten.

Wir schliessen das Experiment mit der Veröffentlichung von im vergangenen August und September erhobenen Daten ab. Mittels automatischer Abfragen konnten wir in 134 von 169 Zürcher Gemeinden Airbnb-Angebote identifizieren. Erfasst wurden dabei schätzungsweise 85 bis 90 Prozent aller Angebote.

Starkes Wachstum

Die Zahl der identifizierten Angebote im Kanton Zürich wuchs innerhalb eines Jahres um 1'000 auf 3'900 an. Dabei stieg sowohl die Zahl der Privatzimmer (+424) als auch jene der ganzen Unterkünfte (+603). Die ganzen Wohnungen, die im Hinblick auf die Frage, ob Airbnb den regulären Mietwohnungsmarkt konkurrenziert, im Fokus sind, machten mehr als die Hälfte aller Objekte auf der Plattform aus. Die gemeinsamen Zimmer legten dagegen nur geringfügig zu (+14) und blieben die Exoten unter den Angeboten auf der Plattform.

Airbnb-Hotspots im Stadtzentrum und beim Flughafen

Die Airbnb-Angebote liegen vor allem in Gebieten mit erstklassiger ÖV-Anbindung. Die Hälfte aller ganzen Unterkünfte ist gemäss den Wegzeiten-Daten von Google in weniger als 15 Minuten von Zürich HB aus erreichbar. Bei den Privatzimmern sind es 19 Minuten. Über 2'770 der 3'900 identifizierten Airbnb-Objekte liegen denn auch in der Stadt Zürich. Gegenüber August 2016 bedeutet dies ein Plus von 770 Angeboten. In den flughafennahen Gemeinden Kloten (+53 Angebote) und Opfikon (+29) liegt die Zahl der Angebote ebenfalls deutlich höher als im Vorjahr, desgleichen in Winterthur (+28) und in Stäfa (+16).

Auch wenn die Angebotszahlen ins Verhältnis zum Wohnungsbestand gesetzt werden, bleibt die Stadt Zürich Spitzenreiterin. In den Stadtkreisen 4 und 5 kommen auf 1'000 Wohnungen 23 Airbnb-Angebote, in den Kreisen 1 und 2 sind es 18 und im Kreis 3 15 Angebote. Der Stadtteil mit der geringsten Dichte an Airbnb-Angeboten ist Schwamendingen (Kreis 12) – auf 1'000 Wohnungen kommen hier lediglich 5 Angebote. Das ist weniger als in Kloten, wo 1'000 Wohnungen 8 Airbnb-Angebote gegenüberstehen.

Je zentraler, desto teurer

Der Preis der Airbnb-Angebote wird in erster Linie durch die Kategorie und die Kapazität des Objekts bestimmt. Aber auch die Lage wirkt sich natürlich auf den Preis aus. Deshalb besteht in der Stadt Zürich ein starkes Preisgefälle zwischen den Stadtkreisen.

Eine Übernachtung in den Kreisen 1 und 2 war zum Erhebungszeitpunkt am teuersten (durchschnittlich 130 Franken). Nur in den Kreisen 7 und 8 bezahlte man für ein Objekt mit vergleichbarem Eigenschaften ähnlich viel. Etwas günstiger kommt man in den Kreisen 4 und 5 (120 Franken) sowie im Kreis 3 (110 Franken) weg. In den Kreisen 9, 10, 11 und 12 liegt der mittlere Übernachtungspreis dagegen deutlich tiefer.

Mehr Bewertungen bei Mehrfachanbietern

Annähernd 96 Prozent der Anbieter haben auf der Airbnb-Plattform höchstens zwei Angebote eingestellt. Die Anbieter dieser Kategorie stellen zusammen 78 Prozent der Angebote, die wiederum auf 71 Prozent aller Bewertungen kommen. Obwohl die Hobby-Anbieter, wie man sie nennen könnte, viele nur gelegentlich vermietete Objekte führen dürften, haben sie einzelne Angebote im «Portfolio», die augenscheinlich sehr intensiv vermietet werden.

Demgegenüber stehen Anbieter mit drei oder mehr Objekten. Sie machen lediglich 4 Prozent der Anbieter aus, stellen aber ein Fünftel der Angebote, die mehr als ein Viertel aller Bewertungen auf sich vereinen. Anbieter mit mehr als 3 Objekten weisen gemessen an der Zahl ihrer Angebote einen hohen Anteil an den Bewertungen auf. Dies kann als Indiz für eine äusserst aktive Nutzung von Airbnb und eine professionalisierte, um
nicht zu sagen gewerbliche, Bewirtschaftung gedeutet werden.

Auswirkungen des Airbnb-Booms bleiben unklar

Viele Fragen rund um Airbnb bleiben offen und können mit den hier präsentierten Angebotsdaten nicht ohne weiteres beantwortet werden. Wie hoch ist beispielsweise die Nachfrage nach Airbnb-Unterkünften, also die Zahl der Übernachtungen? Welchen Anteil machen bereits bestehende Ferienwohnungen, B&B-Zimmer oder Business-Apartments auf der Plattform aus? Das wären dann Objekte, deren Eigentümer Airbnb lediglich als zusätzlichen Vertriebskanal nutzen. Und auch ob Airbnb Teilen des regulären Wohnungsmarkts das Wasser abgräbt, bleibt unklar.

Keine Ausbaupläne für unsere Erhebung

Den Airbnb-Markt im Kanton Zürich vollständig zu erfassen, ist aufgrund der immer höheren Dichte an Angeboten in der Stadt Zürich aufwendiger geworden. Um der Angebots-verdichtung gerecht zu werden, wären räumlich feiner aufgelöste Abfragestrategien und ausgedehntere Erhebungszeiträume notwendig.

Das Walliser Tourismus-Observatorium erfasst die Airbnb-Angebote seit geraumer Zeit und hat die dafür nötigen Ressourcen aufgebaut. Seit kurzem veröffentlicht das Tourismus-Observatorium die Angebots- und Bettenzahlen landesweit auf Gemeindeebene. Dies erlaubt es, die Entwicklung des Airbnb-Angebots auch auf dem Gebiet des Kantons Zürich zu beobachten. Deshalb sehen wir vorerst keinen Bedarf, unsere Erhebung auszubauen. Die bis anhin erhobenen Daten wie auch das Skript für die Abfragen stellen wir jedoch zur freien Verfügung.

Vorgehen / Methodik

Die Daten wurden zwischen dem 23. August und dem 15. September 2017 mit Hilfe der Statistik-Software R gesammelt. Dabei wurden automatisierte Abfragen zu den Angeboten im Kanton Zürich (nach Ort/PLZ, Preis, Kategorie, Kapazität etc.) abgesetzt. Die Suchergebnisse wurden in einem Datensatz gespeichert, der hier heruntergeladen werden kann. Das R-Skript für die Abfragen stellen wir ebenfalls zum Download zur Verfügung.

Daten

Skript

Unter anderem können auf diesem Weg folgende Informationen abgefragt und gespeichert werden:

  • Kategorie des Angebots (Ganze Unterkunft, Privatzimmer, Gemeinsames Zimmer)
  • Anzahl Zimmer und Betten
  • durch den Anbieter erfasste geografische Koordinaten des Objekts
  • Angebotspreise (pro Nacht) zum Zeitpunkt der Abfrage
  • Anzahl Bewertungen
  • Anzahl Angebote eines Anbieters

Die Koordinaten sind approximativ und erschweren eine präzise Verortung der Angebote.

Daten, die direkt auf die Auslastung der Objekte schliessen lassen, können auf diese Weise nicht erhoben werden.

Das verwendete R-Skript wurde vor der Publikation der vorliegenden Mitteilung nochmals getestet (1.12.2017). Sollte Airbnb Änderungen an der Struktur der Website oder an der API vornehmen, so können wir keine Gewähr dafür übernehmen, dass das Skript weiterhin funktioniert. Es gibt auch keine Garantie auf Vollständigkeit der mit Hilfe des Skripts gesammelten Daten. Es empfiehlt sich daher, die mit dem Skript gesammelten Daten und die auf der Airbnb-Website angezeigten Angebote stichprobenartig zu prüfen oder allenfalls mit den Zahlen anderer Quellen zu vergleichen.

 

Airbnb unterscheidet bei den Unterkünften drei Kategorien:

• Gemeinschaftszimmer
Die Gäste teilen den Wohnraum und haben kein eigenes Zimmer für sich.

• Privatzimmer
Die Gäste teilen den Wohnraum, haben aber ein eigenes Zimmer.

• Ganze Unterkunft
Die Gäste haben den Wohnraum für sich allein.

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