Airbnb blüht vor allem in den Städten

14.12.2016 - Mitteilung

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Airbnb ist die bekannteste digitale Vermittlungsplattform für Privatunterkünfte. Auch im Kanton Zürich spielt das Portal im Beherbergungsmarkt mittlerweile eine bedeutende Rolle. Weil Airbnb auf grosses Interesse stösst und als ernst zu nehmender Konkurrent der traditionellen Hotellerie auch immer mal wieder Schlagzeilen macht, durchleuchten wir das Ausmass des Airbnb-Phänomens und stellen erstmals Daten zu den Angeboten im Kanton Zürich zur Verfügung.

Digitalisierung verändert Wirtschaft

Die Digitalisierung hat tiefgreifende Auswirkungen auf bestehende gesellschaftliche und wirtschaftliche Strukturen. Vermittlungsplattformen im Internet ermöglichen es professionellen und nicht-professionellen Anbietern, Produkte und Dienstleistungen direkt auf den Markt zu bringen. Die Nutzung solcher Plattformen – wie beispielsweise Airbnb und Uber – hat in den letzten Jahren rasant zugenommen. Die Transaktionen, die über diese Plattformen abgewickelt werden, erreichen mittlerweile ein Volumen, das dem der traditionellen Vertriebskanäle teils nahekommt.

Blinder Fleck der öffentlichen Statistik

Dies stellt eine Herausforderung für die öffentliche Statistik dar. Konnten konventionelle wirtschaftliche Aktivitäten bisher mittels Administrativdaten präzise erfasst und analysiert werden, so gestaltet es sich im Zeitalter der Digitalisierung um einiges schwieriger, die neuen Formen des Wirtschaftens quantitativ einzugrenzen. Exemplarisch dafür steht Airbnb, die Online-Plattform, die es Privaten ermöglicht, die eigenen vier Wände als Übernachtungsgelegenheit an Reisende zu vermieten. Rund um die Plattform ist eine Kontroverse bezüglich der Auswirkungen auf die städtischen Wohnungsmärkte und die Beherbergungsbranche entbrannt. Um eine sachliche Diskussion führen zu können, sind möglichst zuverlässige und präzise Zahlen zur Bedeutung von Airbnb jedoch unentbehrlich.

Jedes leere Zimmer eine potentielle Gaststätte

Jedermann kann auf der Airbnb-Website ein Zimmer oder eine Wohnung aufschalten und für einzelne Nächte oder längere Perioden an Reisende vermieten. Da es keine einheitliche Meldepflicht für die Inserenten gibt und auch keine Kooperation mit Airbnb hinsichtlich der Offenlegung der Daten besteht, fehlen bislang flächendeckende Angaben zu den Angeboten im Kanton Zürich. Hier hat die öffentliche Statistik quasi einen blinden Fleck. Diese Informationslücke wird auf absehbare Zeit nicht durch konventionelle Administrativdatenquellen gefüllt werden.

Erfassung mittels automatisierter Abfragen

Deshalb nehmen wir erstmals den Versuch vor, Daten zu Airbnb-Angeboten im Kanton Zürich zu erheben. Die Transaktionen über Airbnb und verwandte Plattformen werden online abgewickelt. Daher ist es im Prinzip möglich, mittels automatisierter Abfragen alle auf der Airbnb-Website verfügbaren Daten abzufragen und so zu sammeln. Dies haben wir auf experimenteller Basis für den Kanton Zürich getan. Es handelt sich dabei lediglich um einen Versuch – schliesslich sind die bei Airbnb «abgegrasten» Zahlen Drittdaten, die in dieser Form keine qualitativ einwandfreie Basis für offizielle kontinuierliche Erhebungen darstellen. Die so gesammelten Daten sind mit diversen Problemen behaftet: Die Angaben zu den Übernachtungsangeboten werden von den Inserenten selbst erfasst und vom Plattformbetreiber nicht auf ihre Qualität überprüft. Trotz mehrfacher Prüfung können wir zudem nicht ausschliessen, dass im Abfrageprozess einzelne Angebote übersehen wurden und die Daten somit nicht zu 100 Prozent vollständig sind. Trotzdem reicht die Qualität der erhobenen Daten sicherlich aus, um die Bedeutung von Airbnb im Kanton Zürich abzuschätzen.  

Wo die «Mini-Hotels» aus dem Boden spriessen

Zu den Ergebnissen unseres Versuchs: Im Kanton Zürich gab es Ende August 2016 rund 2817 auf Airbnb ausgeschriebene Objekte, die Platz für insgesamt 6950 Gäste boten. Der Grossteil der Unterkünfte liegt in den städtischen Gebieten (Zürich: ca. 2000, Winterthur: 90). Das Angebot ist somit dort am grössten, wo auch die Nachfrage aufgrund der Touristenströme am höchsten ist. Auf der Airbnb-Website werden die Angebote in drei Kategorien unterteilt (Ganze Unterkunft: 1406, Privatzimmer: 1359, Gemeinsames Zimmer: 52). Die Angebotslandschaft ist äusserst vielseitig: Von Stadtwohnungen, die jederzeit oder nur über das Wochenende bei Abwesenheit der Bewohner verfügbar sind, über Mini-Apartments in klassischen Hotelbetrieben oder Villen mit Seezugang bis hin zum Baumhaus oder zur Jurte findet sich so ziemlich alles. Das Preisgefüge ist dementsprechend breit. Vom Privatzimmer in der Nähe der ETH für 18 Franken bis zur Villa am Zürichsee für 1009 Franken pro Nacht findet sich für jedes Budget eine passende Unterkunft. Die Hälfte der Angebote im Kanton Zürich kostete zum Erhebungszeitpunkt weniger als 82 Franken (Medianpreis). Nach Kategorien aufgeschlüsselt lag der Medianpreis bei den ganzen Unterkünften bei 113, bei den Privatzimmern bei 61 und bei den gemeinsamen Zimmern bei 44 Franken.

Interaktive Visualisierung: Airbnb-Angebote in den Gemeinden

Die Visualisierung zeigt die geografische Verteilung der Airbnb-Angebote nach Gemeinden oder, im Falle von Zürich und Winterthur, nach Stadtteilen. Um die Gesamtzahl der Angebote und die «Angebotsrate» in einer bestimmten Gemeinde anzuzeigen, kann der Cursor über ihr platziert werden. Mit einem Klick auf die Gemeinde lassen sich zudem die einzelnen Preise einblenden. Je nach Anzahl der verfügbaren Angebote wird zusätzlich der Medianpreis (mehr als drei Angebote) oder ein sogenannter Boxplot (mehr als zehn Angebote), der Aufschluss über die gesamte Streuung der Preise gibt, angezeigt. Da die geografischen Koordinaten der Angebote von den Inserenten selber erfasst werden, kann besonders bei Objekten, die in der Nähe vom Gemeinde- oder Stadtkreisgrenzen liegen, nicht ausgeschlossen werden, dass sie wegen unpräziser Verortung den falschen Gemeinden oder Quartieren zugeordnet sind.

Vorgehen / Methodik

Die Daten wurden am 23.8.2016 mit Hilfe der Statistik-Software R gesammelt. Dabei wurden automatisierte Abfragen zu den Angeboten im Kanton Zürich (nach Preis, Kategorie, Kapazität etc.) abgesetzt. Die Suchergebnisse wurden in einem Datensatz abgespeichert. Dieser enthält die Rohdaten zur Visualisierung und kann hier heruntergeladen werden. Der Datensatz enthält lediglich die für die Visualisierung relevanten Informationen. Die Koordinaten sind auf ca. 50m Genauigkeit gerundet und es sind keine Angaben zur Anzahl Bewertungen enthalten. Das R-Skript für die Abfragen stellen wir ebenfalls zum Download zur Verfügung. Unter anderem können auf diesem Weg folgende Informationen abgefragt und gespeichert werden:

  • Kategorie des Angebots (Ganze Unterkunft, Privatzimmer, Gemeinsames Zimmer)
  • Anzahl Zimmer und Betten
  • durch den Anbieter erfasste geografische Koordinaten des Objekts
  • Angebotspreise (pro Nacht) zum Zeitpunkt der Abfrage
  • Anzahl Bewertungen
  • Anzahl Angebote eines Anbieters

Daten, die direkt auf die Auslastung der Objekte schliessen lassen würden, können auf diese Weise nicht erhoben werden. Das verwendete R-Skript wurde vor der Publikation dieser Mitteilung nochmals getestet (6.12.2016). Sollte Airbnb Änderungen an der Struktur der Website oder an der API vornehmen, so können wir keine Gewähr dafür übernehmen, dass das Skript weiterhin funktioniert. Es gibt auch keine Garantie auf Vollständigkeit der mit Hilfe des Skripts gesammelten Daten. Es empfiehlt sich daher, die mit dem Skript gesammelten Daten und die auf der Airbnb-Website angezeigten Angebote stichprobenartig abzugleichen.
 

Nutzungsregelung

Es gelten die Nutzungsregelungen des Statistischen Amtes des Kantons Zürich.

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