Weniger, aber vermehrt späte Scheidungen

16.10.2019 - Medienmitteilung

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Die Zahl der Ehescheidungen ist leicht rückläufig. Im Vergleich zu früher werden weniger Ehen früh geschieden, dafür lassen sich immer mehr gestandene Ehepaare scheiden. Eine aktuelle Studie des Statistischen Amts zeigt, wie sich das Scheidungsverhalten im Kanton Zürich in den letzten Jahren verändert hat. Ebenso ein Thema in der Studie: Das Auflösen eingetragener Partnerschaften.

2018 endeten im Kanton Zürich rund 3000 Ehen mit einer Scheidung. Deren Zahl ist seit 2011 leicht rückläufig, nachdem sie vorher während vier Jahrzehnten laufend gewachsen war. Dies nicht zuletzt, weil etwas weniger geheiratet wird, da nichteheliche Lebensgemeinschaften heute verbreiteter sind als früher. Geht man davon aus, dass das gegenwärtige Scheidungsverhalten anhält, werden künftig etwa zwei von fünf Ehen in die Brüche gehen – und nicht mehr jede zweite wie noch vor einem Jahrzehnt.

Häufigere Scheidungen nach langer Ehedauer

Am grössten ist das Risiko einer Scheidung zu Beginn der Ehe: Es erreicht gegenwärtig einen Höhepunkt nach sechs bis sieben Jahren, am sprichwörtlichen «verflixten siebten Jahr» ist also tatsächlich etwas dran. Die Scheidungshäufigkeit in den ersten Ehejahren hat sich gegenüber den 1990er-Jahren aber verringert. Leicht angestiegen ist das Scheidungsrisiko hingegen bei den Ehen von über 20 Jahren Dauer. Eheleute trauen sich heutzutage eher, sich nach einer langen gemeinsamen Zeit scheiden zu lassen. Möglicherweise hat das damit zu tun, dass die finanzielle Unabhängigkeit der Ehepartner wie auch die Ansprüche an die Qualität der Partnerschaft im Vergleich zu früher gestiegen sind.

Geschiedene sind immer älter

Weil später geheiratet wird und mehr Ehen spät geschieden werden, steigt auch das Alter der frisch Geschiedenen: Im Schnitt sind die Frauen bei der Scheidung heute etwa 44 und die Männer 47 Jahre alt – und damit sechs Jahre älter als noch um 1990. Dies hat aber auch damit zu tun, dass die geburtenstarken Jahrgänge aus der Babyboomzeit der 1960er-Jahre in eine höhere Altersgruppe gewachsen sind. Werden Ehen dieser Generation geschieden, gehen sie, da die Fallzahlen grösser sind als bei den jüngeren Jahrgängen, mit einem verhältnismässig grossen Gewicht in die Berechnung der Scheidungszahlen ein.

Hälfte der Scheidungen mit unmündigen Kindern

Von der Scheidung eines Ehepaares sind auch die gemeinsamen Kinder betroffen, besonders, wenn sie noch klein sind. 2018 waren rund 2200 Kinder unter 18 Jahren mit der Scheidung ihrer Eltern konfrontiert. Der Anteil der geschiedenen Ehepaare mit unmündigen Kindern hat sich in den letzten Jahrzehnten verringert. Mitte der 1980er-Jahre lag er noch bei 60 Prozent und ist seither auf 45 Prozent gesunken. Dazu beigetragen hat, dass immer mehr Ehepaare gar keine Kinder haben und dass Paare heute möglicherweise vermehrt mit der Scheidung zuwarten, bis die Kinder ausgeflogen sind.

Zahl der aufgelösten gleichgeschlechtlichen Partnerschaften steigt an

2018 haben 73 gleichgeschlechtliche Paare ihre eingetragene Partnerschaft durch richterlichen Beschluss auflösen lassen. Hier zeigt der Trend nach oben, da seit Inkrafttreten des Partnerschaftsgesetzes 2007 Jahr für Jahr mehr Personen in eingetragener Partnerschaft leben. Etwa drei Viertel der aufgelösten Partnerschaften betreffen männliche, der Rest weibliche Paare. Daraus zu schliessen, dass Männerpaare ein höheres Auflösungsrisiko haben, wäre aber falsch, denn es lassen auch etwa dreimal so viele männliche Paare ihre Partnerschaft eintragen wie weibliche.

Zur Datengrundlage

Datengrundlage ist die Statistik der natürlichen Bevölkerungsbewegung (BEVNAT) des Bundesamts für Statistik (BFS). Diese liefert unter anderem Informationen zu den Heiraten und den Scheidungen, seit 2007 auch zu den eingetragenen und aufgelösten Partnerschaften. Die Studie des Statistischen Amts beschränkt sich auf Paare mit ständigem Wohnsitz im Kanton Zürich.

statistik.info 2019/09

Weniger, aber vermehrt späte Scheidungen. Ehescheidungen und aufgelöste gleichgeschlechtliche Partnerschaften im Kanton Zürich 1970–2018. Online verfügbar auf der Website des Statistischen Amts des Kantons Zürich:

(Medienmitteilung des Statistischen Amtes)

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